Zukunft der Zeitung

Über die Zeitung und ihre Zukunft wird kontrovers diskutiert. Der Trendforscher Dr. Eike Wenzel, Institut für Trend- und Zukunftsforschung (ITZ), sieht im Medienumbruch große Marktchancen für die Zeitungen.

Aus Sicht des ITZ werden in den kommenden 20 Jahren die Megatrends für die Entwicklung der Zeitungsbranche relevant. Megatrends sind die großen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft, die in den kommenden Jahren alle Märkte und Branchen, sowohl das private als auch das Berufsleben maßgeblich verändern werden.

Fünf zentrale Megatrends, dazu gehören Demografischer Wandel, Digitaler Bildungsaufbruch, Mobilität, Kommunikation und Konsum, Digitalisierung und Dezentraler Konsum, haben wesentlichen Einfluss auf die Medien.

Aus diesen fünf Megatrends haben sich wiederum drei Szenarien herausgebildet, die jeweils einen Zeitungslesertyp charakterisieren.

Szenario 1 iPad-Bürgertum

Die iPad-Bürger pflegen einen Lebensstil, der sich stark an dem orientiert, was zu Beginn der 2000er-Jahre als LOHAS-Lebensstil (Lifestyles of Health and Sustainability) beschrieben wurde: Die iPad-Bürger sind zwischen 30 und 65 Jahren alt, stark familienorientiert, stark werteorientiert, Umwelt, Mitwelt und Innenwelt sollen sich im Einklang befinden. Sie sind Vertreter eines neobürgerlichen Lebensstils, der traditionelle Werte hochhält. Interessant an den iPad-Bürgern ist auch, dass sie durchaus medienkritisch agieren, aber technologisch sehr aufgeschlossen sind. Technik ist kein Teufelszeug, sollte aber dabei helfen, den Alltag zu erleichtern und Lebensqualität zu steigern.

Szenario 2 Info-Elite 2.0

Definierte sich die Info-Elite 1.0 noch über "Fakten, Fakten, Fakten", geht es bei der Info-Elite 2.0 um Orientierung und Entscheidungssicherheit in einer hochkomplexen Wirklichkeit. Immer mehr Selbstständige suchen ihren Platz auf dem globalen Arbeitsmarkt. Und die Angestellten der Zukunft sollen sich möglichst wie Unternehmer in eigener Sache verstehen. Die Info-Elite kommt gerade aus einem solchen Umfeld, in dem das Unternehmen nicht mehr dazu da ist, die Denkrichtung vorzugeben. Zeitungen liefern für diese Gruppe Trends, Einschätzungen, Leitplanken für die Entwicklung eigener Überzeugungen.

Szenario 3 Hypolocal (SoLoMo)

(So)zial soll künftig der Medienkontakt ablaufen, um das (Lo)kale geht es dabei auch in verstärktem Maße. Und: (Mo)bil muss vieles an Mediennutzung passieren, weil wir immer mehr unterwegs sind. Wo von der Mehrheit der Menschen Globalisierung und Neoliberalismus als Vertrautheitsschwund empfunden wird, wächst bei den Menschen das Bedürfnis nach Erdung des eigenen Lebens und Denkens. Hyperlocals möchten sich am Ende der i-Decade ("Economist"), des Ego-Zeitalters, als Teil einer funktionierenden Community, eines integren Mikrokosmos wahrnehmen. Dazu gehört, dass sich die Hyperlocals aktiv in ihrer Mitwelt engagieren. Heimat als Gestaltungsraum - Heimatzeitung 2.0 als digital-analoges Forum für eine neue Bürgerkultur.

Zur Studie: Das Modell des ITZ verbindet die Analyse von Trends und Megatrends mit Marktforschung. Partner für das aktuelle Lebensstilprojekt des ITZ war die Nürnberger GfK. ITZ stellt seine Erkenntnisse in Form von Studien, regelmäßig erscheinenden Trendlettern, Consultings, Workshops und Vorträgen zur Verfügung.

MEHR

„Die digitale Zeitung wird reüssieren“.

Interview mit Dr. Eike Wenzel (itz), 2013